Guadalquivir-Becken: Córdoba, Sevilla und der Nationalpark Coto de Doñana

Donnerstag, 07.05.15

Weiter ging die Fahrt nach Sevilla, dabei legten wir einen Zwischenstop in Córdoba ein. Nochmals aßen wir ein leckeres Frühstück in der Pastelleria Mendez neben dem Hotel, reisten dann ab, über die Schnellstraße, später die Autobahn in 2 Stunden bis Córdoba. Durch die dort herrschende, chaotische Verkehrsführung mit Straßensperrungen, die unser Navi überforderten, dauerte es eine Weile, schließlich fanden wir aber doch noch ein zentrales Parkhaus, hatten dabei Glück, denn wir erwischten einen der letzten Plätze! Als erstes gingen wir zur Mesquita und brauchten über 2 Stunden, um diese zu besichtigen, sehr weitläufig, sehr interessant und vor allem sehr, sehr schön. Mir persönlich gefielen die arabisch-maurischen Anteile im Übrigen um einiges besser als die christlichen, die Kathedrale im Inneren wirkte hier eher wie ein Fremdkörper. Am eindrucksvollsten waren, neben dem „Palmenhain“, die Königskapelle und die Gebetsnische (Mihrab), leider nicht bzw. nur von außen zu besichtigen. Schön wirkte auch der Hof mit den nachträglich angepflanzten Orangenbäumen, ehemals war die Moschee zum Hof hin offen, später wurde sie dann (leider) von den Christen zugemauert. Gegen 12 Uhr war es noch ziemlich voll, jede Menge Bustouristen, später, gegen 14 Uhr, war deutlich weniger los. Zu Mittag aßen wir ein leckeres Touristenmenü mit Gazpacho und Paella für 10 € in einer Nebenstraße der Altstadt, spazierten dann einmal über die römische Brücke und wieder zurück, weiter durch die Altstadt und zur Juderia mit Synagoge. Zum Zeitpunkt unserer Reise hätte sich eigentlich die Gelegenheit ergeben, die berühmten, meist im Privatbesitz befindlichen Innenhöfe der Stadt zu besichtigen, die „Patios de Córdoba“, die einmal im Jahr im Mai für ein paar Wochen die Pforten für die Allgemeinheit öffnen, leider galten aber auch hier wieder die spanischen Öffnungszeiten mit Mittagspause von 14-18 Uhr – schade! Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir den Mezquita-Besuch auf einen späteren Zeitpunkt des Tages verschoben und erst den Stadtrundgang mit Besichtigung einiger Innenhöfe gemacht. Aber auch so war der Stadtbummel schön. Gegen 18 Uhr fuhren wir weiter nach Sevilla (1:30 Std.), dort ging es ziemlich lange von der Autobahnabfahrt durch die Stadt (deutlich länger als in Córdoba bzw. Granada), bis wir endlich an unserem Hotel ankamen, dieses aber zum Glück mit Navi diesmal gut fanden. In der (superengen!) Hotel-Tiefgarage hatten wir einen Stellplatz schon vorreserviert, das war gut, denn ansonsten hätte man hier in dem Viertel quasi keine Chance gehabt, einen Parkplatz zu finden. Wir checkten in ein (schickes) Zimmer ein und gingen dann noch im hiesigen Stadtviertel Triana zum Abendessen, dazu gab es wieder mal einen „tinto de verano“, einen Rotwein mit Sprite, den wir hier als lecker, erfrischend und nicht zu alkoholhaltig kennen- und schätzen gelernt haben. Gegen 22 Uhr waren wir wieder im Hotel und machten früh das Licht aus, denn am nächsten Tag hieß es schon wieder früh: „Aufstehen!“

Freitag, 08.05.15

Um 6 Uhr ging heute der Wecker – so früh wie noch nie in diesem Urlaub! Wieder frühstückten wir kurz ein wenig Kuchen und fuhren um 6:40 Uhr los, waren nach einer Stunde Fahrt pünktlich in El Rocío, 20 Minuten vor Beginn der gebuchten Jeeptour durch den Nordteil des Coto de Doñana-Nationalparks. Die Tour dauerte 4:40 Stunden, lt. Ausschreibung 5 Stunden, aber o.k. …, dafür hatten wir einen tollen, gut Englisch sprechenden und sehr engagierten Guide, Alex aus Matalascanas, dem man die Liebe zur Natur und zu den Vögeln wirklich anmerkte. Leider haben wir keinen Luchs gesehen, aber die Chancen dazu stehen lt. Alex auch höchstens 1:100, es gibt insgesamt nur ca. 70-80 Exemplare im Park. Dafür sahen wir aber eine Hirschkuh und viele Vögel: Blauflügelelstern, Zwergadler, Schwarzmilane, Weißstörche, Kaiseradler, Grauammern, Drosselrohrsänger, Stieglitze, Haubentaucher, Seeschwalben, Rosaflamingos, Braune Sichler, Seidenreiher, Kuhreiher, Nachtreiher, Rallenreiher, Graureiher, Purpurreiher, Löffler, Haussperlinge und Bienenfresser sowie noch andere. Und außerdem zum ersten Mal sah ich hier einen Ameisenlöwen, auch ein interessantes Tier! Sehr schön war im Übrigen auch das Besucherzentrum, das wir als Zielpunkt ansteuerten und wo wir einen Zwischenstop einlegten. Zurück in El Rocío machten wir noch einen Stadtbummel durch das doch recht große, etwas ausgestorben wirkende Dorf mit seinen Sandstraßen und dadurch einer eigenartigen Wüstenstadt-Atmosphäre. Viele Häuser stehen hier leer, da sie nur gelegentlich, etwa zum Wochenende oder zur Pfingstwallfahrt, von ihren Bewohnern aufgesucht werden, häufig sind dies Bruderschaften (sog. Hermandades) aus den größeren und kleineren Städten der Umgebung. Speziell zur Pilgerzeit um Pfingsten soll hier aber nahezu kein Durchkommen sein, ca. ½ Mio. Menschen sollen sich dann im Dorf aufhalten… Ganz lecker und sättigend haben wir in El Rocío zu Mittag gegessen und sind dann auf eigene Faust mit dem Auto zu einer Stelle gefahren (gegenüber der Tankstelle am Ortseingang), wo man lt. Alex gute Chancen haben soll, aus dem Auto auf Fotopirsch nach Bienenfressern zu gehen – und er hatte Recht! Wenn man im Auto sitzen bleibt, sind die Tiere deutlich weniger scheu, als wenn man sich ihnen zu Fuß näherte! Anschließend fuhren wir noch weiter zum Besucherzentrum La Rosina und liefen den dortigen Rundweg ab, ganz schön, aber ohne großartige, weitere Vogelsichtungen, zumal die Temperaturen inzwischen schon ganz ordentlich angestiegen waren. In einer Stunde ging es mit dem Auto zurück nach Sevilla, noch satt vom Mittagessen verzichteten wir auf’s Abendessen und machten uns einen gemütlichen Abend auf dem Zimmer.

Samstag, 09.05.15

Stadtbesichtigung in Sevilla. Um 7:30 Uhr standen wir auf, frühstückten in unserem Stadtteil Triana gut und günstig (Tostadas mit Marmelade bzw. Tomaten und Olivenöl) und gingen dann über den Fluss zu den königlichen Palästen Real Alcazar (Eintritt 9,50 € / Person). Aus Sicherheitsgründen wurde das Gepäck durchleuchtet, womit ich nicht gerechnet habe, mein Taschenmesser, das ich im Rucksack hatte, durfte dann aber trotzdem mit rein… Die Räumlichkeiten waren ausnehmend schön, v.a. der Palast Peters des Grausamen im maurischen bzw. Mudejar-Stil, wenn auch hier nicht alles ganz so fein ausgearbeitet bzw. perfektioniert war wie in der Alhambra. Ein „möbliertes“ Schloss, wie ich das bei der Bezeichnung „königliche Paläste“ erwartet hatte, war das hier aber nicht, dennoch sehr sehenswert, wenn auch dementsprechend leider sehr voll. Der neuere Teil des Komplexes, der Palast Karls V., beeindruckte v.a. durch große Tapisserien und Motivkacheln, fiel insgesamt aber zu den zuerst besichtigten Teilen doch deutlich ab. Danach durchstreiften wir noch die angeschlossenen Gärten, die waren wirklich ein Traum! Teils englisch angelegt, teils im Renaissance-Stil, viel Wasser, tropische Bäume (Palmen, Orangen) – einfach nur wunderschön. Danach zogen wir ein wenig durch die Stadt, da meine Speicherkarten dank der vielen Fotomotive inzwischen nahezu voll waren, kaufte ich noch eine SD-Karte in einem Fotogeschäft, bevor wir zu Mittag aßen, für mich gab’s ½ racion Thunfisch mit Ajillo, für meinen Freund Shrimp-Tortillas, dazu Sangria, auch wieder spanisch-lecker. Als nächstes nahmen wir die Kathedrale in Augenschein (nochmals 8 € / Pers.!), eindrucksvoll-riesig ist dies die drittgrößte Kirche der Welt mit dem weltgrößten Retabel mit einer Front von 20x23 qm, trotzdem schön, vorrangig gotisch und insgesamt recht harmonisch. Viele Seitenkapellen schlossen sich an mit z.T. recht schönen Bildern, auch das Deckengewölbe war wirklich eindrucksvoll. Zum Abschluss des Besuchs bestiegen wir noch den Turm, die Giralda, und genossen einen tollen Blick über Sevilla, sehr schön auch deshalb, da es im Zentrum keine Hochhäuser gibt, stattdessen blickte man über viele Dachterrassen, teils (v.a. bei den Hotels) sogar mit Pool! Wieder „auf der Erde“ schlenderten wir durch die engen Sträßchen des Viertels Santa Cruz, hier gab es viele einladende Hotels, wenn man die mit dem Auto ansteuern will, hat man aber echt ein Problem bei den verwinkelten und schmalen Gassen. Für je 18 € kauften wir vor Ort zwei Tickets für die Flamenco-Show in der Casa de Flamenco um 19 Uhr, die als besonders authentisch im Reiseführer beschrieben war. Da bis zum Beginn noch Zeit war, nutzten wir diese für einen Spaziergang zur Plaza de España, recht pompös, aber schöne Kachelarbeiten, viele Wochenendausflügler, die mit einer Kutsche oder den hiesigen Bötchen fuhren. Danach ging’s zurück in die Altstadt, wo wir eine einstündige, recht eindrucksvolle Show erlebten mit 4 Akteuren (1 Sänger, 1 Gitarrist, 1 Tänzer und 1 Tänzerin), die 3 verschiedene Tänze vorführten (1 Sevillana und 2 andere, deren Namen ich nicht kannte). Dabei verausgabten die vier sich unglaublich, das Ganze schien extrem konzentriert und anstrengend, laut, mit rhythmischem Klatschen und Aufstampfen, hinterher waren alle schweißgebadet. Leider herrschte Fotografierverbot, was aber irgendwie auch ganz gut war, denn es hätte die Atmosphäre doch gestört, wenn ständig die Kameras geklickt hätten. Nach der Vorstellung gingen wir noch an der berühmten Zigarettenfabrik vorbei, wo Bizets Carmen gearbeitet haben soll, heute ein Teil der Uni von Sevilla, und anschließend zurück auf die andere Uferseite von Sevilla, wo wir zu Abend aßen und einen schönen Sonnenuntergang genossen, es gab Salat und Chorizo. Gegen 22 Uhr näherten wir uns dann wieder unserem Hotel und stellten dort fest, dass im Hof nebenan gerade eine Fiesta stieg. Eine Hermandad, eine der Nachbarschafts-Bruderschaften (auf deren Häuser wir ja schon in El Rocío gestoßen sind) feierte die „Cruces de Mayo“, ein Fest, das in vielen spanischen Städten immer im Mai gefeiert wird anlässlich der Verehrung des Todes Christi am Kreuz. Wir schauten uns das Ganze noch ein wenig an, es wurde gesungen, getanzt, gegessen und getrunken, die Spanier der Nachbarschaft schienen hier ganz unter sich, schließlich gingen wir dann auch wieder aufs Zimmer, duschten, schrieben Tagebuch und packten, da es am nächsten Tag ja weiter zur letzten Unterkunft auf unserer Andalusienreise gehen sollte.