11.11.15: Al Mudayrib und Ibra

Nach einer sehr angenehmen, kühlen Nacht, der ersten, bei der ich den Schlafsack ganz verschlossen habe, war Abreise erst gegen 8:30 Uhr, wir fuhren raus aus der Wahiba-Wüste, in Richtung innerer Oman, zum ersten Stopp ging's nach Al Mudayrib. Hier gab es einen sehr malerischen, aber auch etwas verfallenen Ortskern mit Lehmhäusern, Wehrtürmen, Holzbalken und -türen, von oben hatte man eine schöne Aussicht auf die Oase, deren Ausdehnung sah man hier viel besser als von unten. Schön war außerdem, dass außer uns kein einziger Tourist hier herumlief. Weiter ging die Fahrt bis nach Ibra zum Markt, der war ganz o.k., aber nichts wirklich besonderes, nicht wirklich sehr pittoresk (wobei wir allerdings auch recht spät eintrafen, vermutlich war früher am Tag hier mehr los). Z.T. liefen wirklich sehr schön gekleidete (Beduinen-)Frauen hier herum, aber da das mit dem Fotografieren von Menschen im Oman im Allgemein etwas heikel ist, habe ich auch gar keine großen Anstalten unternommen. Es gab unterschiedliche Ecken für den Verkauf von Obst, Fisch, Vieh, Haushaltswaren, Kleidung, aber alles eher klein. Enttäuschend war speziell auch der „Waffenmarkt“, wo 3 alte Männer neben 3-4 Krummdolchen noch Patronen u.Ä. verhökerten. Berühmt ist Ibra vor allem für den Frauenmarkt, die Frauen unserer Gruppe besuchten den auch, Eintritt für Männer war verboten (obwohl sich offensichtlich nicht alle Touristen daran hielten!), auch hiervon waren unsere Frauen aber nicht so wahnsinnig angetan. Mittags aßen wir in einem Lokal an der Hauptstraße „shoowah“, eine omanische Spezialität, die nur selten zu bekommen sein soll, vor allem an Feiertagen, es handelt sich um Ziegenfleisch, dass in der Erde gegart wird, serviert wurde es mit Reis, Joghurt und Zitronensaft, sehr, sehr lecker, ganz zart, unbedingt empfehlenswert. Danach machten wir noch einen Spaziergang vom Marktviertel in der Neustadt bis in das alte, verfallene Stadtviertel Al Minzafah. Auch hier, wie in Al Mudayrib, gab es viele Lehmbauten, Türen, Erker und sogar die Reste eines (dreieckigen!) alten Souks, schön wäre es, wenn man hier alles erhalten könnte, das würde sicher viele Touristen herlocken. Auf dem Weg durch den Ort wurden wir noch kurz von einem blinden, älteren Herrn und seinem Enkel zum Kaffee eingeladen, irgendwie nett, der schien sich richtig zu freuen, dass mal Touristen bei ihm vorbeischauen, wir wollten ihm aber nicht gerne alle seine Kekse wegessen und zogen daher nach ein paar Minuten weiter. Es folgte noch eine Fahrt von ca. 1 Stunde in die Gegend südlich von Sinaw, wo wir einen Zeltplatz fanden, alles hier war Steinwüste, ansonsten aber ganz o.k., wenn auch wieder relativ nah an der Straße, etwas weiter weg hinter dem Hügel, an den unser Zeltplatz grenzte, wäre es vielleicht noch etwas netter und ruhiger gewesen. Abends gab's gebackenen Blumenkohl und Salat, wie allabendlich erneut sehr lecker.

12.11.15: Sinaw

Heute besuchten wir den Markt in Sinaw einschließlich großem Tiermarkt, damit wir ihn „in voller Aktion“ erlebten war Abfahrt wieder früh um 8 Uhr nach einer wegen der nahen Straße leicht unruhigen und wegen der Temperaturen verschwitzten Nacht. Vom Camp aus waren wir schon nach 10 Minuten Fahrt in Sinaw und hatten hier heute 2:15 Minuten Zeit, in aller Ruhe den Markt zu erkunden. Nach dem gestrigen, eher enttäuschenden Markt in Ibra war der heutige Marktbesuch sicher einer der Höhepunkte unserer Reise: pralles Leben, überall Handel, Männer und Frauen, es gab nichts, was es nicht gab, von Gemüse über Fisch, Kleidung und Haushaltswaren bis hin zu Tieren, v.a. Dromedare, Ziegen und Schafe, vereinzelt auch ein paar Kühe. In einer überdachten Halle boten Einzelpersonen ihre Ziegen an, es wurde geprüft und gefeilscht, schließlich der Handel abgeschlossen, sowohl von Männern, als auch von Frauen, manchmal hatte man den Eindruck, die Frauen hatten mehr zu sagen als die Männer. Auch hier waren insbesondere die Frauen in ihren bunten Gewändern und den Burkas z.T. sehr schön, im Gegensatz zum Vortag versuchte ich heute mal, unbeobachtet ein paar Fotos zu machen, das schien auch ganz gut zu klappen, niemand schien sich gestört zu fühlen, wenn ich größeren Abstand wahrte und behutsam vorging, manche Touristen (ein paar andere gab es hier auch) waren da deutlich distanzloser, ansonsten führte eine höfliche Frage („Mumkin photo?“ heißt wohl sowas wie: „Ist es möglich, ein Foto zu machen?“) manchmal zu einem „Nein“, manchmal aber auch zu einem „Ja“. Viel Treiben war auch auf dem Fischmarkt, Thunfisch heute gerade preiswert (900 Baisa/kg), der edelste Fisch des Landes aber war der Kingfish (Königsmakrele), hier kostete das Kilogramm mit 3,200 RO mehr als dreimal so viel. Direkt nebenan konnte man sich den gekauften Fisch zerkleinern und ausnehmen lassen, das kostete nochmal 1 RO pro Stück. Mit dem Vieh wurde, gerade beim Verladen, nicht unbedingt zimperlich umgegangen, die Dromedare und Ziegen schrien dabei z.T., nicht unbedingt was für Tierfreunde. Im Gemüsesouk war recht wenig los, vielleicht auch, weil die Leute doch vieles in den Oasen selbst anbauen und daher nicht zu kaufen brauchen. Während zwischen Mann und Frau hier auf dem Markt fast Gleichberechtigung zu herrschen schien, fielen die Kontraste zwischen Indern und Omanis mir negativer auf. Die Omanis kamen in schicken SUVs vorgefahren und tätigten die Geschäfte, die Inder bzw. Pakistani aber machten die ganze Arbeit, das wirkte fast wie „koloniales Gehabe“ - schade! Ohne Inder/Pakistani wäre das Land sicher ganz schön aufgeschmissen! Arbeitsmoral und -eifer scheinen im Lande insgesamt eher niedrig zu sein, z.B. auch daran zu sehen, dass man als Staatsbediensteter mit 40 Jahren und 80% seines letzten Gehaltes in den Ruhestand gehen kann, was viele auch tun. Da fragt man sich schon: wie soll das weitergehen? Ohne Inder (die offiziell nach 2 Jahren den Oman wieder verlassen müssen) würde das Land sicher nicht da stehen, wo es heute steht, vom Tourismus (Hotels, Restaurants) über Viehhirten bis hin zu Müllabfuhr und Straßenbau machen Inder und Pakistani fast alles. Auch hier auf dem Markt gab es aber viele freundliche, v.a. ältere Omani, die einen mit Handschlag begrüßten und anlachten, was sehr sympathisch war.

12.11.15: Nizwa am Abend

In der Mittagspause gab's wieder „Sandwiches“ und Samosas (Teigtaschen), die kauften wir in einem Coffeeshop, fuhren danach weiter und vertilgten sie an den Bewässerungskanälen von Al Khatmayn (= UNESCO-Welterbe) in der Gesellschaft plantschender Kinder. Zum Nachtisch gab es leckere Wassermelone.

Gegen 13 Uhr waren wir schließlich im Hotel Al Diyar in Nizwa, recht schick, hier hatten wir erstmal Zeit zum Entspannen, Duschen, Wäschewaschen, Laden der Akkus, Umpacken der Koffer usw. Um 16:30 Uhr hatten 4 von uns Männern der Gruppe einen Termin beim gegenüberliegenden Barbier (auch Pakistani!), für 1,500 RO gab's neben Barttrimmung und Rasur auch noch eine „Gesichtsreinigung“, alles in allem über 30 Minuten Wellness und Entspannung, auch mal ein schönes Erlebnis!

Um 18 Uhr fuhren wir in den Ort, der ganz anders war als die bisherigen im Oman, viel „großstädtischer“, gepflegter und touristischer, aber trotzdem sehr, sehr schön und orientalisch, v.a. der abendlich beleuchtete Souk mit Fort und Moschee. In einem Lokal in der Nähe aßen wir lecker Gegrilltes mit so einer Art Tabouleh (Petersiliensalat). Gegen 21:45 Uhr waren wir wieder im Hotel, ich schrieb noch Tagebuch und Postkarten, ehe ich todmüde ins Bett fiel.

13.11.15: Nizwa - Markt, Souk und Fort

Trotz meines dunklen Hotelzimmers war ich aus Gewohnheit schon wieder um 6 Uhr wach, Frühstück gab es allerdings erst ab 7:30 Uhr, 1 Stunde später war Abfahrt, wieder ging es in die Stadt Nizwa, denn heute war hier Tiermarkt wie jeden Freitag, allerdings waren hier, im Unterschied zu Sinaw, fast soviele Touristen wie Einheimische unterwegs, na gut, nicht ganz, aber dennoch war die Atmosphäre eine ganz andere, deutlich weniger authentischere als in Sinaw, recht hübsch anzuschauen war's trotzdem. Danach gingen wir noch durch den Souk, erst gemeinsam. z.B. in den Dattelsouk, hier konnte man sogar verschiedene Sorten Datteln probieren, wenn man nicht genau wusste, welche Sorte man will! Ich kaufte dort 3 x 1 Pfund Datteln einer Sorte, die uns auch im Camp immer gut geschmeckt hatte. Eingeschweißt kosteten sie etwas mehr (800 Baisa pro Pfund), aber so war der Transport nach Deutschland deutlich einfacher. Weiter ging es zum Gemüsesouk, der, wie schon am Vorabend, relativ leer war, viele Stände in der Halle waren gar nicht besetzt, offensichtlich kaufen die Leute lieber bei den Händlern, die draußen unter freiem Himmel sitzen. In der Halle gab es auch mehrere Stände, die Halwa verkauften, eine typisch omanische Süßspeise (die allerdings nicht, wie bei uns üblich, zum Nachtisch gegessen wird). Wir probierten auch mal, wegen des vielen Rosenwassers darin schmeckte mir aber zumindest die Sorte, die wir testeten, nicht so wirklich gut, zu künstlich-süß. Sehr, sehr schön war der östliche Souk, der einzige, der noch im originalen Bauzustand war, aber leider langsam verfiel, es steht zu befürchten, dass die Gebäude auch bald abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden, was wirklich schade wäre. Hier gab es neben Haushaltswaren vor allem Gewürze, aber auch schon einiges an Leerstand. Danach besichtigten wir das Fort, recht ordentlich aufgezogen, sehr gepflegt und gut erhalten/restauriert, wenn auch dadurch fast etwas steril wirkend. Schön war vor allem die Aussicht von dem gewaltigen, 35 Meter hohen und 45 Meter im Durchmesser messenden Turm, besonders auf die benachbarte Moschee, die tausend Palmen der Oase und die Berge drum herum. Abschließend hatten wir noch etwas Zeit, allein durch den Souk zu streifen.

13.11.15: Jebel Akhdar

Gegen 11 Uhr fuhren wir weiter zum Jebel Akhdar, noch einmal ging es vorbei an den Bewässerungskanälen von Al Khatmayn, angesagt war eine „Wanderung“ am Berg, letztlich aber machten wir maximal einen kleinen Spaziergang durch einige Dörfer mit einer Länge von weniger als 2 Kilometer, mit allerdings großartiger Aussicht. Schon vom Startpunkt aus konnte man das Ziel sehen, was die Anforderungen bei den Wanderungen anbelangt war ich bisher doch eher etwas enttäuscht von der Reise, obwohl die Landschaft einiges hergibt – schade! Es boten sich hier herrliche Blicke auf Terrassen, die in den steilen Berghängen angelegt waren, bewässert durch ein Falaj-System, das Jahrtausende alte Bewässerungssystem, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, nicht minder eindrucksvoll war aber auch die Bergwelt, die alles umgab. Nach 1 Stunde war leider schon Schluss, wir fuhren die ca. 35 km wieder den Berg hinab über eine Straße, die zwar z.T. steil, aber durchweg asphaltiert war, der vorgeschriebene Allradantrieb, ohne den man am Fuß des Berges an einer Kontrollstation abgewiesen wird, war lächerlich und absolut nicht notwendig, viel wichtiger war hier korrekter Einsatz der Motorbremse. 1 Stunde kauften wir auf dem Rückweg noch im riesigen Supermarkt der Kette „Lulu“ in Nizwa für die kommenden Zelttage ein, für mich gab‘s noch 500 g Omani Masala als Mitbringsel für 1 RO und 500 g Dattelsirup für weniger als 1 RO. Um 16 Uhr waren wir wieder am Hotel und den Rest des Nachmittags konnte ich entspannt am (und nicht im) Pool des Hotels verbringen, der zwar nicht so besonders groß war, aber doch angenehm im schattigen Innenhof lag. Um 19 Uhr aßen wir im Hotel zu Abend, wieder mal sehr lecker, anschließend erhielt ich meine abgegebene Wäsche zurück, sauber und ordentlich gefaltet kostete das 1,400 RO für 9 Teile, mal etwas früher als am Vortag landete ich heute im Hotelbett.

14.11.15: Jabrin und Bakhla

Weiter ging die Fahrt, 8:30 Uhr ab Hotel, zuerst zum „Wohnschloss“ von Jabrin, eine Art omanisches Fort, aber errichtet weniger zu militärischen Zwecken, als vielmehr zur Pflege von Kunst und Wissenschaft, schön verwinkelt gebaut, anschaulich eingerichtet, gut beschildert, sogar Audioguides hätte es gegeben, die wir aber nicht nutzten, vielmehr erhielten wir Infos von unseren Guides und hatten insgesamt 1,5 Stunden Zeit, danach auch noch alleine durch das Gebäude zu streifen und alles zu genießen. Anschließend fuhren wir weiter zum Fort von Bakhla, hier gab es gar keine Innenausstattung, dieses Fort, das größte des Landes, beeindruckte vor allem durch seine immensen Ausmaße und die perfekte Konstruktion in Lehmbauweise. Nachdem wir noch in Bakhla zu Mittag gegessen hatten, ging es weiter Richtung Westen. Zum Mittagessen gab es übrigens „omanisches alkoholfreies Bier mit Apfelgeschmack“, das sich letztlich als eine Art recht leckere Fassbrause entpuppte, sehr erfrischend, hätte ich das mal schon früher entdeckt!