Mo., 12.11.2018: Wadi Rum - 1. Tag

Abfahrt aus Petra war heute um 8 Uhr, wir hielten noch einmal an einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt, von wo aus wir einen schönen Blick über die gebirgige Landschaft rund um die historische Stadt erhaschen konnten. Danach ging es auf die Hochebene, immer weiter nach oben, hier bewegten wir uns allerdings durchweg nur durch Steinwüste, lediglich vereinzelt unterbrochen von Feldern, auf denen überraschenderweise Tomaten angebaut wurden, auch gab es hier oben einige Windräder. Nach nur einer Stunde rasteten wir an einer völlig überteuerten Raststätte im Nirgendwo, die allerdings Unterhaltungswert durch einen Mitarbeiter erhielt, der dort Kaffee verkaufte und irgendwie ein wenig „high“ zu sein schien, einen Witz nach dem anderen riss. Danach ging es auf die Wüstenautobahn und bald waren wir auch schon am Visitor Center im Wadi Rum. Von hier aus hatte man direkten Blick auf die „Sieben Säulen der Weisheit“, eine Felsformation, die durch Lawrence von Arabien zu Berühmtheit gelang, da sie seinem bekannten Buch den Titel verlieh, und nach einem letzten Toilettengang auf eine mehr oder weniger „zivilisierte“ Toilette (eher weniger als mehr…) fuhren wir weiter in die Wüste. Nach nur 5 Minuten wurden wir „ausgesetzt“ und machten unsere heutige „Wanderung“, die aber nur ein kurzer Spaziergang zum Camp war, das sich noch in Sichtweite der Straße befand, aber trotzdem ganz schön in einem Felskessel lag. Nach dem Aufbau der Zelte gab es Mittagessen, das von unserem Koch Dschihad (der hieß wirklich so!) gekocht wurde, außerdem gehörte zum Team der Beduinen, die uns in den kommenden 3 Tagen im Wadi Rum begleiteten, noch der Chef Ali und ein Hilfskoch, dessen Namen ich leider vergessen habe...

Einige Zeit nach dem Mittagessen kamen einige Jeeps zum Camp, und mit diesen fuhren wir nach Norden zu zwei Felsbögen, quer durch die typische, hiesige Wüste mit Sand und großen Felsbrocken darin. Unterwegs passierten wir noch ein Gebiet, in dem von einem amerikanischen Team ein Science Fiction-Film gedreht wurde, leider sahen wir nicht viel davon. Später zuhause sollte sich herausstellen, dass es sich um die Dreharbeiten zu „Star Wars Episode IX“ handelte, kein Wunder, dass man hier großen Aufwand mit Absperrungen, Fotografierverbot und Überwachungsfahrzeugen trieb! Angekommen an den Felsbögen, zuerst am kleineren, stiegen wir aus und wanderten wenige 100 Meter von dort zum größeren genannt Al Kharaz. Beides waren elegante Sandsteinbögen, den großen konnten wir sogar besteigen, dort entstand dann auch ein Gruppenfoto ähnlich dem im Katalog des Reiseveranstalters. Leider versagte meine Kamera dabei kurzfristig, also musste ich später nochmal raufklettern und so gab’s nur ein Solo-Foto von mir. Danach ging's zurück Richtung Camp, kurz vor der Straße stoppten wir noch einmal an einer kleinen Düne und bestaunten einen schönen Sonnenuntergang. Im Camp hatten wir noch 1 Stunde Zeit bis zum Abendessen. Dazu - es war inzwischen dunkel geworden - gab es noch einmal das typisch jordanische Gericht Mansaf, im Original mit Lamm, heute mit Hühnchen, aber auch diese Variante war sehr lecker. Zunächst waren die Temperaturen noch recht angenehm, später kühlte es aber doch rasch ab, so dass ich mich gegen 21 Uhr dann auch in mein Zelt verzog. Nicht ganz so toll war, dass es Tee zum Aufwärmen erst spät, weit nach dem Abendessen und nach dem Nachtisch gab, den hätten wir gerne eher gehabt, direkt bei der Ankunft im Camp. Obwohl wir das bei Adnan ansprachen, änderte sich aber leider auch an den nächsten Tag daran nichts – schade, da hätte man mit wenig Aufwand uns Touristen schnell glücklich machen können! Nicht ganz so toll war auch der Schlafkomfort im Zelt. Wir schliefen auf den Sitzmatten, auf denen wir auch tagsüber saßen. Die waren zwar recht dick und leidlich gut gepolstert, leider führte die Nutzung tagsüber aber auch dazu , dass wir die Matten erst kurz vor dem Zu-Bett-Gehen mit in die Zelte nehmen konnten und man sich dort vorher ansonsten nicht auch mal hätte hinlegen und ausruhen können, so ganz ohne Unterlage... Obwohl es noch früh war, war ich doch bald müde und machte dann auch um 21:15 Uhr die Taschenlampe aus.

Di., 13.11.2018: Wadi Rum - 2. Tag

Der erste reine Wandertag in der Wüste und in diesem Urlaub. Geschlafen habe ich ganz gut, allerdings waren die jordanischen Sitzmatten irgendwie etwas hart und unbequem für eine ganze Nacht, eine Isomatte mitzubringen wäre sicherlich die bessere Option gewesen. Aufgewacht bin ich gegen 5:30 Uhr, lag noch etwas im Zelt, stand dann auf und ging gegen kurz vor 6 Uhr ein „stilles Örtchen“ suchen, denn Toilettengänge konnte man hier nur in der Natur verrichten... Um 6 Uhr sollte die Sonne aufgehen, das kam auch ganz gut hin, allerdings gab es kein stimmungsvolles Morgenrot wie erhofft, die Sonne war auf einmal da, angenehmer Nebeneffekt dabei war aber, dass es gleich schön warm wurde, die Kälte der Nacht verflog. Wobei letztlich die Nacht eher kühl war, aber nicht kalt, im Schlafsack habe ich eher geschwitzt, wenn ich die Arme aber raus getan habe, ging das auch nicht lange, zum Schlafen im Freien wäre es mir definitiv etwas zu kalt gewesen. Es gab ein leckeres Frühstück im Stehen und gegen 8:20 Uhr marschierten wir los. Insgesamt legten wir heute 13,8 Kilometer zurück, pausierten dabei zum ersten Mal am späten Vormittag in einem frisch angelegten, festen Camp mit hübschen Zelten, feststehenden Betten und sogar Sanitärräumen mit fließendem Wasser, ein Luxus hier in der Wüste, so kann man etwas bequemer übernachten als wir, der Besitzer rührte gleich die Werbetrommel und lud uns auf einen Tee ein. Etwas später bestand noch die Gelegenheit, eine Stunde bis zur Mittagspause auf einem Kamel zu reiten, drei aus unserer Reisegruppe nahmen das auch wahr, ich nicht, da ich es schon in Tunesien und auf dem Sinai erlebt hatte. Die Kamele marschierten beim Wandern neben uns her, das Tempo war sehr angenehm und gemütlich. Dort, wo die Kamelritte angeboten wurden, fanden sich auch einige Felszeichnungen, die allerdings nicht so eindrucksvoll waren. Insgesamt muss ich auch sagen, dass die Wüste in dem Teil, den wir durchliefen, zwar landschaftlich durchaus sehr schön ist, aber doch nicht so viel intensiv rot gefärbten Sand aufweist, wie ich das erwartet hatte anhand der Bilder,  die ich im Vorfeld sah, entsprechende Färbungen fanden sich nur vereinzelt, der meiste Sand war eher hellgelb bis beige. Wirklich negativ empfand ich leider die Tatsache, dass letztlich überall im Wadi Rum die Beduinen mit Autos fahren dürfen, dieses Recht nehmen sie sich offensichtlich traditionell bedingt einfach heraus, natürlich auch, um Touristen in die Wüste zu kutschieren. Dadurch begegnet man Autos mehrmals am Tag, die ganze Wüste ist von Autospuren durchzogen, das schmälert das Wüstenerlebnis doch ziemlich, da gab es damals im Oman deutlich mehr Abgeschiedenheit und „Wüstenfeeling“. Nach einer zweistündigen Mittagspause spazierten wir noch einige Kilometer weiter und erreichten dann unser Nachtlager gegen 16 Uhr. Hier bauten wir wieder die Zelte auf, zum Abendessen gab es Gegrilltes und mehrere leckere Salate, ehe wir nach und nach gegen 21 Uhr alle zu Bett gingen.

Mi., 14.11.2018: Wadi Rum - 3. Tag

Der zweite richtige Wandertag, es sollte der längste des Urlaubs werden mit fast 20 km Wanderstrecke, und das auf sicherlich der Hälfte der Strecke durch Sand, also durchaus teilweise anstrengend. Die andere Hälfte des Wegs verlief über etwas fester getretenen Wüstenboden und war recht einfach zu gehen. Nach dem Frühstück, heute mit Rührei, gingen wir gegen 7:30 Uhr los. Zunächst liefen wir das Wadi entlang Richtung Süden, bogen dann nach Westen ab, vorbei an einem interessanten Beduinenfriedhof. Später trafen wir noch einmal auf ein paar Felszeichnungen vor allem von Dromedaren, einigen Menschen, aber auch Fantasiewesen, einer Mischung aus Giraffe und Dromedar. Danach galt es, die höchste Sanddüne das Wadi Rum zu erklimmen, das bedeutete, sich circa 100 Meter hoch zu kämpfen durch Sand, bei jedem Schritt ging es einen halben Schritt zurück, die Aussicht von oben war dann allerdings doch eindrucksvoll, so dass sich der Aufstieg lohnte. Am Fuß der Düne legten wir unsere Frühstückspause ein, bei der es heute eine Apfelsine gab. Danach liefen wir durch z.T. recht schmale Seitentäler des Wadi Rum weiter. Schließlich erreichten wir die Ruinen des ehemaligen „Hauses von Lawrence von Arabien“ (wobei aber nicht ganz klar ist, ob er hier wirklich wohnte…) Dort wurde erneut eine Pause eingelegt, diesmal gab es Tee, ehe es weiterging, mittlerweile war es in der Mittagssonne auch recht warm. Es bewölkte sich dann aber rasch, zog sich zu, und als wir den Platz unserer Mittagspause erreichten, war es richtig kalt, man musste Unterhemd und Fleecejacke anziehen, um nicht zu frieren, auch für den Rest des Tages.

Nach dem Mittagessen folgte noch ein kürzeres Wegstück von etwa anderthalb Stunden, auch hier wieder durch sehr eindrucksvolle Seitentäler mit gigantischen Felsformationen. An einer Stelle sah man sogar Kletterer beim Abseilen. Gegen 16 Uhr schließlich erreichten wir unseren Rastplatz für die letzte Nacht in der Wüste, pünktlich setze dann auch etwas Regen ein. Da wir mittlerweile mit dem Aufbau der Zelte aber schon recht erfahren waren, klappte das flott. Die Strecke, die wir heute wanderten, war wirklich sehr schön, deutlich eindruckvoller noch als die vom Vortag. Leider fiel heute noch mehr das zunehmende Vordringen der Zivilisation negativ ins Auge. Wir kamen an sicherlich 4 oder 5 feststehenden Camps vorbei, immer wieder, mehrmals pro Stunde, trafen wir auf PKW mit Touristen, das hatte ich mir nicht so vorgestellt, da wir wild zelteten, hatte ich gedacht, dass sich die Tour mehr über Bereiche erstreckt, die nicht so touristisch erschlossen sind, das wäre etwas, das der Reiseveranstalter ändern sollte, schließlich ist das Wadi Rum groß genug und es gibt mit Sicherheit Stellen, die genauso schön, aber nicht so überlaufen sind. Der Schönheit der Landschaft tut allerdings auch der Verkehr hier keinen Abbruch, man muss einfach versuchen, diesen auszublenden. Der Regen hörte nach kurzer Zeit auf, allerdings standen auch den Rest des Abends immer mal wieder bedrohliche dunkle Wolken am Himmel, in der Ferne gab es Wetterleuchten und Gewitter, das machte uns etwas Angst. Außerdem waren wir nach dem Regen und dem langen Tag arg durchgefroren, so gingen wir auch alle recht früh zu Bett, heute schon gegen 20:30 Uhr. Ohne Licht, Strom und Wärme machte das Draußensein bei diesem Wetter nicht wirklich viel Spaß. Bald darauf schlief ich auch ein...

Do., 15.11.2018: Wadi Rum - 4. Tag

Die Nacht war spannend! Irgendwann wachte ich auf, ich weiß gar nicht mehr, ob das Wasser der Grund war, das irgendwie von oben auf meine Nase tropfte, oder der Lärm, der um mein Zelt herum herrschte… Das Wasser kam von einer „Bedienungsanleitung“ meines Zeltes, die in eine Naht direkt über meinem Kopf eingenäht war – sehr schlau, wo doch jeder Camper weiß, dass gerade Nähte die Schwachstellen am Zelt sind, wenn es um das Eindringen von Wasser geht! Und leider hatte es halt im Laufe der Nacht wieder angefangen zu regnen! Mir blieb also nichts anderes übrig, als meine Lage auf der Matratze um 180 Grad zu drehen und die Matratze etwas schief zu legen, so tropfte es erstmal nicht direkt auf mich, zum Glück hatte ich das Zelt ja für mich allein! Was der ganze Lärm draußen bedeutete, wusste ich zunächst noch nicht, er hielt mich noch einige Zeit wach, irgendwann schlief ich dann aber doch ein, um am nächsten Morgen wie üblich aufzuwachen, der Regen hatte inzwischen wieder aufgehört. Und nun klärte sich auch die Unruhe der Nacht: einige von uns hatten nämlich recht nahe an einer Mulde ihre Zelte aufgebaut, die sich wegen des Regens in der Nacht mit Wasser füllte, und so wurden diejenigen von unserer Beduinen-Begleitmannschaft mitten in der Nacht geweckt, damit sie nicht absaufen, und mussten mit ihren Zelten umziehen! Die Beduinen blieben auch nach dieser Aktion noch eine ganze Zeit wach bis zum Ende des Regens, um auf uns „aufzupassen“, was ja grundsätzlich ganz nett war, machten dabei aber leider so viel Lärm, dass uns das doch ziemlich beim Weiterschlafen störte. Auf alle Fälle ist zum Glück keinem von uns etwas passiert und niemand wurde „weggeschwemmt“, man bekam aber einen Eindruck davon, warum in der Wüste mehr Menschen ertrinken als verdursten! Eines muss man aber leider auch noch sagen: abgesehen davon, dass die Zelte zwar für 1 Person wie mich okay waren, für 2 aber definitiv zu klein, nur ca. 180x180 qcm, waren sie von extrem minderer Qualität, schon beim ersten Regen nass zu werden geht auf einer nicht gerade sehr preiswerten Tour gar nicht, da hätte ich echt erwartet, dass Wikinger-Reisen bei so etwas mehr Wert auf Qualität legt! Fast alle Zelte waren innen feucht, manche regelrecht nass, auch meine Schlafunterlage war am Morgen trotz der nächtlichen Wendeaktion am Fußende vollgesaugt mit Nässe! Beim morgendlichen Toilettengang hatte ich später dann noch Glück, denn ich war gerade fertig und wollte soeben anfangen, mein Toilettenpapier zu verbrennen, als doch tatsächlich ein Beduine mit 2 Touristen direkt vor dem Felsen, hinter dem ich Schutz gesucht hatte, auftauchte und die 3 sich dort niederließen, um den Sonnenaufgang zu bestaunen. Hätten die nicht einen anderen Platz nehmen können??? Als ob die Wüste nicht Platz genug hat...!

Nach unserem letzten Frühstück und dem letzten Zeltabbau ging es dann auch auf unsere letzte Wandertour, vor uns lagen noch ca. 9 km bis zur Straße, wo der Bus auf uns warten sollte. Die Strecke führte durch ein teils weites, teils recht enges Tal, an manchen Stellen, wo noch Wasser vom nächtlichen Regen nicht versickert war, gab es schöne Spiegelungen der umgebenden Berge, außerdem kamen uns zahlreiche Kamele mit Treibern entgegen auf dem Weg zu ihrem „Arbeitsplatz“, wo sie tagsüber dann auf Touristen zum Reiten warten sollten. In dem engen Tal gab es auch noch eine weitere Raststelle, wo wir mal wieder Tee bekamen, ehe sich das Tal weitete, wir noch an einigen festen Übernachtungscamps vorbei kamen und schließlich dann in der Ferne unseren Bus sahen. Nachdem wir dort ankamen und uns den Dreck von den Schuhen klopften, ging es Richtung Aqaba, der letzten Etappe dieser Reise. Kurz bevor wir wieder auf die Wüstenautobahn trafen, legten wir noch einen kurzen Stopp ein an einem alten Eisenbahnzug, der hier auf den Gleisen stand. Es handelte sich um eine Stichstrecke der Hedschasbahn, die 1902-08 von Damaskus bis Medina gebaut wurde und als Pionierleistung den vorderen Orient erschließen sollte. Diese Stichstrecke wiederum diente dazu, Phosphat aus den nahegelegenen Minen an die Küste zu den Häfen zu transportieren. Die Wagen waren recht einfach ausgestattet, Holzklasse halt, interessant war, dass einige der Wagen offensichtlich mit Waffen bestückt waren, scheint so, als ob die Fahrt damals nicht ganz ungefährlich war.