Montag, 18.11.2013: Kanha Nationalpark

Gegen 2 Uhr wachte ich das erste Mal auf, schlief aber nach einem Gang zur Toilette gegen 3 Uhr wieder ein und dann auch durch bis 6 Uhr, also insgesamt 7 Stunden, ganz o.k. Die Ohrenstöpsel, die ich mit hatte, waren Gold wert gegen evtl. Lärm und das Rattern des Zuges. Die meisten Leute im Wagen waren aber doch angenehm ruhig und auch die nächtlichen Stopps in Bahnhöfen am Weg bekam ich gar nicht mit. Der morgendliche Gang zur („Western“) Toilette zwecks „größerem Geschäft“ erforderte dann doch Überwindung und Desinfektionstücher, aber auch das war zu überstehen. Mit ca. 1 Stunde Verspätung schließlich kamen wir in Jabalpur an, wo wir unsere Koffer unter den Sitzen hervorzogen, sie am Bahnsteig gleich wieder an Kofferträger übergaben, die sie auf den Kopf manövrierten und uns damit zum Bus begleiteten. In einem Lokal in Jabalpur frühstückten wir, und dann folgte noch eine insgesamt 6stündige Busfahrt in die Südostecke des Kanha-Nationalparks über teils gute, teils aber auch sehr schlechte Straßen. Die Landschaft hier war ganz anders als in Indien bisher und, wie ich sagen muss, auch schöner! Neben ausgedehnten, z.T. hügeligen Wäldern war sie zum einen ein ganzes Stück sauberer als im Nordwesten, zum anderen aber auch stärker landwirtschaftlich geprägt mit parzellierten Feldern, vielen Rindern, Dreschplätzen, fleißigen Bauern, die Getreide mit der Hand sichelten und einbrachten und und und… Leider war die Zeit aufgrund der langen Fahrstrecke recht knapp, ansonsten wären kurze Zwischenstopps hier sicher sehr interessant gewesen. Gegen Ende der Fahrt wurde es dann ungemütlich, denn anscheinend wussten weder unser neuer Fahrer noch sein Begleiter genau, wo wir eigentlich hinfahren mussten, sie fragten mehrmals nach dem Weg, irgendwann kehrten wir auch mal um und fuhren einen ganzen Teil der Strecke wieder zurück, die wir schon gefahren waren, die Zeit drohte uns davon zu laufen, denn eigentlich sollten wir ja noch Mittagessen bekommen und um 14:30 Uhr auf Safari gehen. So erreichten wir unsere neue Unterkunft, das Infinity Resort, erst kurz nach 15 Uhr, stiegen dort noch vor dem Eingangstor aus dem Bus direkt um auf Jeeps und fuhren von dort gleich weiter zum Mukki Gate des Kanha-Nationalparks, wo unsere Tour um 15:30 Uhr begann. Der Park war sehr, sehr schön, dichte Wälder und weite, offene Flächen, z.T. mit Sumpf, und alles viel weniger überlaufen als in Ranthambore. Außerdem sah man auf den Jeeps doch deutlich mehr als auf den Canter-Trucks in Ranthambore und man konnte individueller stoppen bzw. die Dauer der Stopps den Wünschen der (wenigen) Gäste anpassen. Zur Tigersichtung kam es aber leider wieder nicht, dafür erweiterte sich unsere Tierliste heute um ein Gaur und den nur hier vorkommenden Barasingha-Hirsch. Von einem Muntjak sah man gerade noch den Spiegel im Gebüsch verschwinden. Nach einer insgesamt also trotzdem noch sehr schönen Safari erreichten wir gegen 17:45 Uhr dann wieder das Hotel, checkten ein, duschten den Staub ab, den man in den offenen Jeeps abbekam, bewunderten die (riesigen!) schicken Zimmer und aßen zu Abend, eher gemischte Qualität, von Fischcurry (sehr lecker) bis hin zu Suppe und Käse mit Spinat (nicht erwähnenswert). Anschließend wusch ich noch ein wenig Handwäsche, da wir hier 2 Nächte verbringen sollten, sortierte Fotos und ging gegen 22:45 Uhr zu Bett.

Dienstag, 19.11.2013: Kanha Nationalpark

Um 6 Uhr ging der Wecker, um 7 Uhr war Abfahrt mit den Jeeps zur „Vogelwanderung“, die aber letztlich mehr in eine „Spinnenwanderung“ ausartete, denn Vögel gab’s auf dem ausgeschilderten „Nature Trail“ am Mukki Gate nur wenige zu sehen, Spinnen umso mehr… Schön war der 1,6 km lange Weg durch den hier typischen Salwald (= Teak-Wald) trotzdem, allein schon, dass wir mal wieder ein paar Schritte zu Fuß gingen und nicht immer nur im Auto saßen war sehr angenehm. Zurück im Hotel waren wir gegen 10:30 Uhr und hatten hier erstmal Freizeit, die ich zu einem Spaziergang durch das nahegelegene Dorf nutzte, was ganz schön war, auch, wenn im Dorf wegen der Mittagshitze nicht allzu viel los war, morgens und abends tat sich hier mehr, wie wir beim Durchfahren schon bemerkt hatten. Danach ging ich vom Hotel noch ein paar Schritte zum Fluss hinab, wo man eine ganze Anzahl Schmetterlinge und Libellen beobachten konnte und wo es sehr schön ruhig war. Nach dem Mittagessen um 13 Uhr fuhren wir um 14 Uhr zur nächsten Safari, waren um 14:30 Uhr als erste am Mukki Gate und somit auch die ersten in der Schlange, die nach Parköffnung nach der Mittagspause einfahren durften. Gebracht hat das nichts, da auf den ersten Kilometern nichts Dolles zu sehen war, bis wir schließlich wieder auf andere Autos stießen, einen Pulk aus ca. 15 Jeeps, ein untrügliches Anzeichen dafür, dass es hier etwas Besonders zu sehen gab. Und tatsächlich: hier sollte sich ein Tiger herumtreiben! Trotz 1 Stunde Wartens und ein paar Mal Hin- und Herfahrens sowie einigen plötzlichen, aufgeregten Ausrufen aus Nachbarautos zeigte sich die Großkatze aber leider nicht in voller Größe, das Beste, was man sah, war ein Stück Fell hinterm Busch – schade, wo wir doch schon so nah dran waren! Schließlich nahte der Sonnenuntergang, die Zeit, zu der man den Park wieder verlassen muss, und so fuhren wir zurück mit allerdings noch 2 kurzen Stopps, einmal bei Barasingha-Hirschen, die pittoresk mit Spiegelung im Wasser standen, und einmal bei einem Gaur, der urplötzlich mitten im Weg stand, schön und eindrucksvoll! Gegen 18:10 Uhr waren wir wieder im Hotel, duschten, saßen beim Lagerfeuer zusammen, sahen noch einen kurzen Film über die Arbeit der Ranger im Park, aßen zu Abend, packten für die Abreise am nächsten Tag, und früh um 22:15 Uhr ging diesmal ich ins Bett.

Mittwoch, 20.11.2013: Kanha Nationalpark

Endlich war unsere Tigersuche von Erfolg gekrönt! Das frühe Aufstehen um 4:30 Uhr hat sich also gelohnt! Um 5:00 Uhr fuhren wir los vom Hotel, waren um 5:35 Uhr erneut die ersten am Mukki Gate und konnten ebenfalls wieder als erste um 6:15 Uhr in den Park einfahren. Wir steuerten direkt die Stelle an, wo sich am Vortag der Tiger aufhielt, suchten vor Ort ein wenig und nach nur 5 Minuten entdeckte unser Guide eine Gruppe von insgesamt 5 (!) Tieren, eine Mutter mit ihren Jungtieren, die unter einem Baum in ca. 150 m Entfernung dösten. Sie hatten uns aber auch schon wahrgenommen und schauten nun alle in unsere Richtung – majestätische Tiere! Ein paar standen dann auf, verzogen sich in den Wald, kamen aber auch wieder zurück, vertrödelten so ihre Zeit – und hatten uns immer im Blick! Schließlich standen dann aber alle nacheinander auf, zogen in Richtung einer nahegelegenen Wasserstelle, meist versteckt im Gebüsch, so dass wir sie dabei nicht beobachten konnten, nur ganz vereinzelt zwischen den Bäumen sahen. Sicher über 1 Stunde sahen wir uns das Ganze an, ehe wir, wie auch die meisten anderen der inzwischen eingetroffenen Jeeps, wieder weiterfuhren, da es zunehmend weniger zu sehen gab und wir nicht evtl. Stunden warten wollten, bis die Tiere sich mal wieder in offenerem Gelände blicken ließen. Die Kälte und der wunderschöne Morgennebel, der die Landschaft über dem z.T. sumpfigen Gelände lange bedeckt hatten, hatten sich inzwischen verzogen, so konnte die Sonne uns bei der Frühstückspause am offiziellen „Rastplatz“ im Park (an dem Aussteigen erlaubt war) gut wärmen. Auf der abschließenden Runde, die wir noch drehten, wieder in Richtung Ausgang, sahen wir noch einmal die anderen, üblichen Tiere wie Axishirsche und Barasinghas, einige Vögel und schließlich noch eine „Familie Gaur“, einen riesigen Bullen, gefolgt von Mutter und Kalb, die mächtig über den Weg zogen, um dann vom Gebüsch verschluckt zu werden. Gegen 11 Uhr verließen wir zum letzten Mal diesen wunderschönen und empfehlenswerten Nationalpark und kamen gegen 11:30 Uhr an unserer Lodge an, wo wir uns noch kurz frisch machen konnten, die bereits fertigen Koffer schnappten, auscheckten und um 12:15 Uhr zur Weiterreise in Richtung Bandhavgarh Nationalpark starteten.