Sonntag, 10.11.2013: Anreise

Anreisetag. Gegen 7:30 Uhr ging der Wecker, um 9:00 Uhr wurde gefrühstückt und um 11:11 Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof, von dort ging es per RE zum Düsseldorfer Flughafen. Der Flieger hob pünktlich um 14:25 Uhr ab, um ebenso überpünktlich um 18:30 Uhr Ortszeit in Istanbul zu landen. Der Flug war ruhig und das Essen bei Turkish Airlines wirklich gut – inkl. frisch gepresstem O-Saft! In Istanbul musste ich beim Transfer nochmal durch die Durchleuchtung, und auf dem doch recht großen Flughafen war auch eine ganze Menge los, ich hatte also nicht viel Zeit, mich umzuschauen, denn nachdem ich kurz zur Toilette ging, wurde der Weiterflug nach Delhi schon zum Boarding aufgerufen. Auch hier klappte alles prima, und auch jetzt dockten wir pünktlich um 19:55 Uhr Ortszeit wieder ab. Nochmal gab’s ein leckeres, warmes Essen, leider war der Service nicht mehr so gut, langsamer und nicht so zuvorkommend, vielen Gästen (auch mir) händigte man keine Einreiseformulare zum Ausfüllen aus, obwohl noch genug da waren. Egal, irgendwann wurden die Lichter gedimmt und ich versuchte, ein wenig zu dösen, zumal man – da Nachtflug – nichts draußen sah. Die Route ging über Tiflis – Baku – Kabul – Lahore, und nach einer sehr kurzen Nacht landeten wir am…

Montag, 11.11.2013: Delhi

… um 5:00 Uhr Ortszeit in Delhi (0:30 Uhr MEZ). Trotz der kurzen Transferzeit in Istanbul war mein Gepäck zum Glück angekommen, der Rest der Gruppe auch, machte einen ganz netten, ersten Eindruck, wie auch unser Reiseleiter Ankit, der sein Deutsch im Goethe-Institut gelernt hat, grundsätzlich war das dafür recht gut, wenn auch z.T. mit der typisch knödeligen, indischen Aussprache, so dass man sich anfangs erstmal konzentrieren und einhören musste, ihn dann aber recht gut verstand. In 30 Minuten ging’s zum Hotel Vaishree Boutique, das zwar gut war, aber leider seeehr weit außerhalb lag, im Vorort Gurgaon, wie sich herausstellte. 1 Stunde hatten wir Zeit zum Duschen und Auspacken, dann ging’s aber auch schon los in die Stadt zum Sightseeing. Davor stand allerdings erstmal eine 1½-stündige Anfahrt durch den wirklich unglaublich dichten, indischen Verkehr, kreuz und quer, stop & go, wüstes Gehupe alle naselang, daran muss man sich erstmal gewöhnen! So etwas habe ich bisher nur einmal erlebt, in Bangkok zur rush hour, aber hier ging das den ganzen Tag mehr oder weniger so – unglaublich! Der erste Stopp war an der Freitagsmoschee mit schönem Innenhof, Blick zum Roten Fort (das heute leider geschlossen hatte) und einem Fußwaschbecken in der Mitte. Vermisst habe ich einen großen Gebetsraum, wie ich ihn aus arabischen Moscheen gewöhnt war, den gab’s hier wohl nicht, wahrscheinlich beten hier alle Gläubigen im Freien. Anschließend bummelten wir ein wenig durch die engen Gassen von Old Delhi, selbst zu Fuß war hier dank Fahrradrikschas und Mopeds z.T. kaum ein Durchkommen. Es reihte sich ein Stand / Geschäft an den nächsten, oft geordnet nach dem, was da angeboten wurde, wir kamen z.B. an der „Feuerwerksgasse“ vorbei oder an der „Brautausstattungsgasse“, sehr lebhaft und interessant, das „wahre Indien“ sozusagen. So viele Bettler wie erwartet gab es nicht, eigentlich nur direkt neben der Moschee. Leider ereignete sich dann etwas, am ersten Tag des Urlaubs, das ich nicht wirklich brauchte und das mich doch sehr in Sorge versetzte, der Autofokus meiner Kamera versagte nämlich immer mal, nur um dann plötzlich wieder zu funktionieren. Später im Laufe des Tages ließ dieser Defekt zum Glück wieder nach, keine Ahnung, was die Ursache war, hoffentlich bleibt es bei „Akklimatisationsschwierigkeiten“… Als nächstes ging’s zum Raj Ghat, dem Ort, wo Mahatma Gandhi und alle Staatschefs nach ihm eingeäschert wurden. Viele Schulklassen waren dort, dadurch war’s durchaus lebhaft, insgesamt aber doch ein schöner, grüner, friedlicher und auch ehrwürdiger Ort. Wie überhaupt Neu Delhi – im Gegensatz zu Old Delhi, zwar auch staubig und verkehrschaotisch war, aber doch grün wie wenige Städte, überall Bäume und Parks, sehr hübsch. Nach einem kurzen Foto vom India Gate (wo unser Busfahrer noch ein Knöllchen bekam, weil er mitten auf der Straße hielt, um uns ein Foto zu ermöglichen, was ansonsten hier aber dauernd geschieht – verkehrte Welt…) fuhren wir zum Bangla Sahib Gurudwara, dem größten Sikh-Tempel Delhis, was auch sehr interessant war. Zum einen war es eine schöne Anlage mit Teich und eindrucksvollem Haupttempel mit viel Gold, in dem vorgelesen und Gott in Form eines Buches (?!) verehrt wird, zum anderen aber auch wegen der hier abgehaltenen Speisungen. Aus den Spenden der Gläubigen werden vom Tempel Lebensmittel gekauft, zig Freiwillige unterhalten eine riesige Küche und 24 Stunden am Tag kann jeder, also wirklich jeder, hier herkommen und kostenlos Essen bekommen, unabhängig von Kaste oder Religion, sehr beeindruckend. Anschließend stand ein Besuch des Tempels der Bahai auf dem Programm, der, von außen sehr schön, die Form einer Lotosblüte hatte, leider war der aber schon geschlossen. Als letzten Programmpunkt steuerten wir dann die Siegessäule Qutb Minar im Süden der Stadt. Auch diese war umgeben von einem schönen Park und vielen Gebäuden, dem Qutb-Komplex aus dem 12. und 13. Jahrhundert, erbaut von Moslems aus den Steinen hinduistischer Tempel, so sieht man neben Koransuren vereinzelt auch noch hinduistische Gottheiten, denen man allerdings den Kopf abgeschlagen hat… Die Anlage ist teils aus Sandstein, teils aus Marmor erbaut und hat ein bisschen was von einer griechischen oder römischen Ruinenstadt. Schließlich ging’s noch in ein Lokal „nU.Delhi“ irgendwo im Nirgendwo, wo wir vom Reiseveranstalter einen „Begrüßungscocktail“ spendiert bekamen und, weil es schon gegen 19 Uhr war, auch ganz lecker zu Abend aßen, wenn auch das Essen, wie sich im Verlauf der Reise herausstellen sollte, hier doch eher hochpreisig war im Gegensatz zu anderen Lokalen. Gegen 21 Uhr waren wir dann, k.o. nach einer kurzen Nacht und einem langen Tag, wieder im Hotel. Wegen der Entfernungen zwischen den Sehenswürdigkeiten und auch der peripheren Lage des Hotels war ein Abklappern der Sehenswürdigkeiten zu Fuß nicht möglich, so waren wir auf ein „Gefährt“ (unseren Bus) angewiesen, in dem wir heute sicher 3-4 Stunden zugebracht haben. Besser wären vielleicht noch Tuktuks gewesen, die wuseln deutlich flinker durch den Verkehr. Nach Duschen und Tagebuchschreiben fiel ich um 23 Uhr ziemlich erschöpft ins Bett.