Sa., 01.07.17: Moraine Park

In Loveland musste man zunächst noch endlose Gewerbegebiete passieren, danach ging es eine Stunde, ebenfalls gefühlt endlos, durch ein langes und enges, gewundenes Flusstal mit hohen Felsen zu beiden Seiten und dadurch abends ohne Sonne, bis wir schließlich Estes Park am Eingang zum Nationalpark erreichten. Hier herrschte ein Riesenrummel, der uns sehr abschreckte, vor jedem Hotel und Campground stand ein „Belegt“-Schild, vermutlich wegen des anstehenden, langen Wochenendes zum Nationalfeiertag. Zum Glück hatten wir aber ja reserviert und errichten schließlich nach einer langen Fahrt den Moraine Park Campground, schon innerhalb der Nationalpark-Grenzen. Bevor wir endgültig beim Campground eincheckten, stoppten wir aber noch kurz vor dem Eingang, denn am Weg parkten schon wieder viele Autos, hier musste es Tiere zu sehen geben. Wir stiegen aus, wie alle anderen auch, und konnten die zahllosen Hirsche bestaunen, die sich allabendlich hier auf den Wiesen im Flusstal versammelten, um zu äsen. Unser Platz selbst war schön gelegen, mit toller Essgruppe und Feuerstelle und herrlicher Aussicht, wenn auch leider ohne direkten Blick ins Flusstal mit den Hirschen wie erhofft. Außerdem war es ein Platz an der Parkstraße, von dem aus die Tür nicht zur Sitzgruppe hin, sondern zur Straße aufging, was ja auch nicht so schön war, aber letztlich habe ich das schon bei der Buchung befürchtet, den Platz aber trotzdem genommen, da es der letzte Platz im C-Loop an der Außenseite war, wo ich unbedingt stehen wollte. Wir aßen zum Abendessen im Freien heute mal nur noch belegte Brote mit Blick auf die untergehende Sonne und gingen dann zufrieden und glücklich nach der langen Fahrt etwas früher als sonst zu Bett.

gefahren: 371 mi. (597 km)

Übernachtung: Moraine Park Campground, Rocky Mountains NP, Colorado

So., 02.07.17: Bear Lake Area

Dank des Shuttlebus-Systems des Rocky Mountain National Parks konnten wir das Wohnmobil heute mal stehen und uns chauffieren lassen. Die Haltestelle des Busses war quasi unmittelbar unterhalb unseres Stellplatzes so konnten wir wenige Minuten vor Abfahrt des Busses um 7:35 Uhr dorthin gehen. Insgesamt finde ich die Idee mit den Shuttlebussen ja sehr gut, gerade hier im überfüllten Rocky Mountain National Park, aber konsequent zu Ende gedacht ist sie leider nicht. Zweimal mussten wir heute einen Shuttlebus, auf den wir schon länger gewartet haben, vorbeifahren lassen, da er schon überfüllt war, außerdem gab es immer noch Staus im Park, da man, wenn man will, auch weiterhin mit seinem Privat-Pkw in den Park fahren kann. Im Denali in Alaska war ja beispielsweise schon vor Jahren jeglicher Individualverkehr verboten, ich fände das auch hier besser, zumindest an Wochenenden oder Feiertagen. Dann allerdings auch mit mehr Shuttlebussen im Einsatz! Von der Abfahrt bis zur Ankunft am Bear Lake brauchten wir (wegen der o.g. Verzögerungen) über 1 Stunde, was natürlich nicht so toll ist. Wir wollten ja extra früh dort sein, dementsprechend voll war es dann aber auch schon, als wir nach halb neun endlich dort eintrafen. Und es sollte auch noch viel, viel voller werden! So eindrucksvoll die Landschaft im Rocky Mountain National Park ist, so sehr wird der Effekt gemindert durch die Horden von Touristen, die hier aufkreuzten und teilweise in Turnschuhen oder gar Flip-Flops die Berge „eroberten“. Dafür gibt es sicher verschiedene Gründe, z.B. die Nähe zur Großstadt Denver und die Tatsache, dass wir das lange 4th of July-Weekend hatten, aber selbst auf den Wanderwegen, wo man ansonsten i.A. rasch alleine ist, wenn man sich erstmal ein wenig vom Parkplatz entfernt, war heute teilweise die Hölle los. Da hieß es nur, das ignorieren und trotzdem an der Landschaft erfreuen, was wir dann auch taten.

Auf unserer heutigen Wanderung drehten wir zuerst eine Runde um den Bear Lake, stiegen von dort aus auf zum Nymph Lake, weiter zum Dream Lake und schließlich zum Lake Haiyaha, wo wir eine erste Pause einlegten. Ein See war hier schöner als der andere, aber der letztere gefiel uns doch besonders gut, vielleicht auch, da es hier doch zumindest etwas ruhiger wurde und nicht mehr ganz so viele Touristen wie Ameisen umherschwirrten. Es folgte ein längeres Stück durch den Wald bis zu einer großen Kreuzung, wo wir eigentlich wieder zurück zur Bushaltestelle hätten gehen können, uns aber, da wir gut in der Zeit lagen, noch für einen Abstecher zum Loch Vale und Richtung Sky Pond entschlossen. Auf dem Weg kreuzte eine überhaupt nicht scheue Hirschkuh unseren Weg und ließ sich minutenlang von zahlreichen Touristen beim Äsen zusehen. Auf den letzten Metern gab es wieder zunehmend mehr Schnee, so dass man noch eine Schneetraverse und eine kurze Kletterpartie an der Seite eines Wasserfalls in Kauf nehmen musste, wenn man gerne noch den Endpunkt dieses Tals sehen wollte. Besonders diese letzten Meter waren dann auch etwas „kniffelig“, man musste schon ein bisschen aufpassen, um nicht abzurutschen oder zu fallen. Oben angekommen genoss ich die dramatische, hochalpine Landschaft, hielt mich aber nicht allzu lange mehr auf und kehrte um, zumal mein Freund am Fuße des Wasserfalls wartete. Erst später, wieder zurück im Campground, stellte ich fest, dass ich es gar nicht bis zum Sky Pond geschafft hatte, sondern nur bis zum Lake of Glass, 400 Meter hatten mir noch gefehlt bis zum eigentlichen Ziel, das war zwar schade, aber auch so war ich froh über diese tolle Tour und das, was ich gesehen hatte. Es war trotz der Menschenmasse eine mit Pausen 9stündige Wanderung in traumhafter Landschaft mit herrlichen Seen, duftenden Wäldern, dramatischen Felsen und sogar noch etwas Schnee, außerdem vielen Blumen, wenn auch nicht ganz so vielen wie im Grand Teton oder Yellowstone National Park. Je mehr wir uns schließlich wieder der Straße näherten, umso voller wurde es, richtig schlimm dann ab den Alberta Falls, hier trafen wir auf ganze Menschenhorden, aus irgendeinem Grund waren heute besonders viele Inder unterwegs, nahezu jeder zweite, den wir trafen, sah irgendwie indisch aus, keine Ahnung, warum ausgerechnet die heute so in Massen hier auftauchten. Scheint ein bei ihnen besonders beliebtes Ziel zu sein.

Die Rückfahrt im Shuttlebus zum Campground dauerte mit Wartezeiten wieder über eine Stunde, wir mussten, wie auf dem Hinweg, 1x umsteigen, letztlich waren wir froh, als wir endlich wieder an unserem Wohnmobil eintrafen. Es gab mal wieder Nudeln mit Tomatensoße und Salat zum Abendessen, es wurde Tagebuch geschrieben und der morgige, letzte Tag im Nationalpark geplant. Nachdem das Wetter heute früh erst sonnig, später bedeckt und schließlich sogar etwas regnerisch und windig war, waren wir gespannt, wie es morgen werden sollten, zumal wir uns dann in noch höhere Regionen und offeneres Gelände wagen wollten.

gefahren: 0 mi. (0 km)

Übernachtung: Moraine Park Campground, Rocky Mountains NP, Colorado

Mo., 03.07.17: Mount Ida, Trail Ridge Road

Heute hieß es wieder früh aufstehen, der letzte Wandertag stand an. Und da wir immer noch das lange Wochenende hatten mit unglaublich viel Betrieb im Park, wir ein paar Meilen fahren mussten bis zum Start des geplanten Trails und wir schließlich auch noch einen Parkplatz für unser RV ergattern mussten, konnten wir halt nicht trödeln. Um 6 Uhr ging also der Wecker und um 7:30 Uhr machten wir uns auf auf die Trail Ridge Road, die einzige Straße, die den Park quert und gleichzeitig der höchstgelegene, durchgehende Highway der USA. Gegen 8:30 Uhr waren wir an unserem Ziel, dem Milner Pass, der Parkplatz war leider nicht allzu groß und um diese Uhrzeit deshalb schon wieder komplett voll. Dasselbe traf auch zu auf ein paar weitere Parkplätze entlang der Straße in der Nähe (eigentlich eher Pullouts), nur ganz am Ende, ca. 800 Meter vom eigentlichen Parkplatz entfernt, am dritten Pullout, war noch ein einziger, letzter Stellplatz, der passte zum Glück auch für ein RV und war folglich unser!

Los ging es mit noch einiger Verzögerung gegen 9 Uhr, zurück am Womo waren wir gegen 16 Uhr. Die Wanderung führte uns zum Gipfel des Mount Ida, keine besonders steile, aber doch etwas längere Tour, die in großer Höhe verlief, am Gipfel bis auf knapp 4000 Meter über NN. Technisch war die Strecke nicht schwierig, der Weg war meist gut zu erkennen, steil war eigentlich nur das erste Stück, trotzdem war auch der weitere Weg durch die große Höhe und die folglich dünne Luft nicht ganz ohne. Während der erste, steilere Teil durch Wald führte, ging es danach nur noch über die offene Tundra. V.a. im mittleren Teil hatten wir viel Wind, möglich, dass das der Hanglage geschuldet war. Schwierig wurde die Wegführung nur auf den letzten Metern zum Gipfel, hier ging es über viel Geröll, ein Weg war die meiste Zeit nicht mehr zu erkennen, bergauf liefen wir folglich auch deutlich anders als auf dem Rückweg. Es gab hier oben viele Murmeltiere, die man gut beobachten konnte, auch eine ganze Reihe Pikas, die waren aber so flink und scheu, dass man sie kaum sah geschweige denn fotografieren konnte. Das Panorama vom Gipfel war wirklich grandios, reichte bis zum Grand Lake im Süden des Parks und darüber hinaus zu zahlreichen, schneebedeckten Bergketten der Rocky Mountains. Das Wetter spielte auch mit, neben dem Wind hatten wir ansonsten einen Wechsel von Sonne und Wolken. Da die Tour schon etwas fordernder war als am Vortag, die Gegend etwas abgelegener und auch nicht so bekannt, waren hier deutlich weniger Menschen als gestern unterwegs, aber immer noch deutlich mehr, als ich erwartet hatte. Der Rückweg zog sich dann etwas, auf den letzten Metern, bevor es wieder in den Wald ging, kamen wir auch noch in einen Regenschauer – egal, auf dem Rückweg kurz vorm Auto ist das ja nur noch halb so schlimm. Zu sehen gab es neben den ganzen Nagern unterwegs auch noch einige Dickhornschafe und als wir wieder zurück am Womo waren äste direkt daneben ein Trupp junger Hirschbullen, das war so gut zu beobachten, dass sich mittlerweile eine ganze Horde von Touristen hier eingefunden hatte. Gegen Ende der Tour entwickelte ich leider zunehmende Kopfschmerzen, was mich doch sehr störte, getrunken hatte ich eigentlich reichlich, auch eine Kopfbedeckung hatte ich immer auf, woher es kam, weiß ich nicht, aber irgendwie muss es doch mit der Höhe zusammengehangen haben, denn besser wurde es erst abends, als wir wieder auf dem Campground waren. Gerechnet habe ich damit nicht, denn wir haben uns ja nun schon die ganzen Wochen davor in großen Höhen von über 2000 Meter aufgehalten, aber halt nie so hoch wie heute, auf knapp 4000 Meter.

Am Visitor Center wollten wir auf dem Rückweg noch kurz halten, um uns ein bisschen über Flora und Fauna zu informieren, da hatten wir aber keine Chance, der Parkplatz war proppenvoll und es bildeten sich schon lange Rückstaus auf die Straße, so fuhren wir weiter. Mit Glück erwischten wir dann einen Parkplatz am Rock Cut / Tundra Communities Trail. Außer den Hoodoos war hier nichts Besonderes zu sehen, was wir nicht auch schon auf unserer heutigen Wanderung entdeckt hätten, außerdem war es wieder deutlich voller und damit weniger schön als in der freien Natur auf der Wanderung, um dem Andrang gerecht zu werden hatte man den kurzen Weg sogar schon asphaltiert und dementsprechend war die Shorts– / Flip-Flop- / Couch-Potato-Fraktion wieder sehr gut vertreten. Meine Kopfschmerzen hatten mittlerweile eher noch zugenommen, daher fuhr mein Freund die letzten Meilen zurück zum Campground und ich war froh, mich auf dem Beifahrersitz ausruhen zu können. Zum Abendessen, nachdem es mir wieder etwas besser ging, gab es ein Reis-Fertiggericht, das wirklich ganz gut war und ordentlich scharf, natürlich haben wir es noch ein wenig verbessert mit frischer Paprika und Tomate. Langsam gehen die Vorräte nun wirklich zur Neige…

gefahren: 54 mi. (87 km)

Übernachtung: Moraine Park Campground, Rocky Mountains NP, Colorado