Do., 25.09.14: Von Plymouth nach Boston

Zum Abschluss des Tages steuerten wir unsere über airbnb gebuchte Unterkunft in Boston an, die wir letztlich ganz gut fanden, obwohl wir uns im Vorfeld doch 3x kurz verfahren haben, denn die Ansagen des Navi waren mal wieder nicht immer so ganz klar, gerade bei übereinanderliegenden Straßen, was hier auch vorkam. Bei unserer Ankunft war niemand zuhause, erstmal komisch, wir gingen dann eigenmächtig ums Haus herum und fanden unsere Unterkunft, ein kleines Souterrain-Appartement, unverschlossen mit dem Schlüssel auf dem Tisch. So konnten wir uns einrichten, und da wir heute, zumal der Tag schon fortgeschritten war – es war inzwischen 16:45 Uhr - nichts Besonderes mehr vorhatten, suchten wir uns einen Waschsalon in der Nähe und legten erstmal einen Waschtag ein, das gehört bei einem USA-Urlaub für mich irgendwie dazu, Waschsalons haben so ein spezielles Flair… Anschließend gingen wir in einem Lokal („Dogwood“) in der Nähe unserer Unterkunft essen, aßen Pizza, die gut und lecker war. Gegen 21 Uhr waren wir schließlich wieder in der Orchardhill St., diesmal war oben Licht im Haus, es reagierte aber niemand auf unser Klingeln – komisch… einmal vorstellen wäre ja schon ganz gut… Da wir im Waschsalon schon Tagebuch geschrieben hatten konnten wir heute ziemlich früh zu Bett, war aber auch gut, da wir nach dem Tagesprogramm mal wieder recht erschöpft waren.

 

Gefahren: 101 mi (163 km)

Unterkunft: Privat-Appartement im Bostoner Vorort Jamaica Plains, gebucht über airbnb (90 $ / N. exkl. FS)

Fr., 26.09.14: Boston

Boston und die Harvard University in Cambridge standen heute auf dem Programm, und nach dem gestrigen, teilweise verregneten Tag herrschte heute wieder herrlichstes Kaiserwetter! Gegen kurz vor 8 Uhr verließen wir unsere Unterkunft und fuhren für $2,10 / Pers. nach Boston rein, zunächst bis zur Station Chinatown, an der wir ausstiegen und erstmal die Charles St. entlang spazierten bis zum „Café Vanille“, wo wir lecker frühstückten, überhaupt war die Straße recht schön und einladend mit vielen Läden und Cafés. So gestärkt begannen wir dann um kurz nach 9 Uhr unseren Stadtbummel, zuerst im Nobelstadtteil Beacon Hill direkt nebenan, in dem z.B. auch John Kerry wohnt und eine Wohnung bzw. ein Haus mal eben 6 – 12 Mio. $ kostet, eine der teuersten Adressen der USA. Tatsächlich handelt es sich hier auch um eine schöne, ruhige Backsteinsiedlung mit viel Grün, edel und stadtnah, die sehr stark an Europa, speziell London erinnert.

Vom Louisburg Square aus ging es weiter zum Boston Common, dem zentralen Stadtpark, wo wir die Runde zu den bedeutendsten, historischen Sehenswürdigkeiten Bostons anhand des hier startenden, mit roten Ziegeln auf dem Boden markierten Freedom Trails begannen. Stationen waren u.a. das Massachusetts State House mit seiner glänzend goldenen Kuppel, die Park Street Church mit angrenzendem Granary Burying Ground und dann die schöne King’s Chapel, die im Inneren dadurch überraschte, dass hier die Sitze nicht in Reihen, sondern in Boxen angeordnet waren, die einzelnen Familien „gehörten“, so in der Ausprägung habe ich das noch nie gesehen. Auch hier war ein schöner Friedhof angeschlossen. Es folgten Old City Hall, das alte Rathaus, der Old Corner Bookstore, ehem. ein bekannter Literatentreff, jetzt ganz profan (und leider) ein mexikanisches Kettenrestaurant „Chipotle“. Schließlich standen wir vor dem Old South Meeting House, einem Versammlungshaus, von dem aus die Boston Tea Party ihren Ausgang fand. Weiter ging’s vorbei am Old State House, ehem. Sitz der Kolonialregierung und Schauplatz des Boston Massacre bis hin zur Faneuil Hall, einem weiteren Versammlungshaus, ehemals recht klein, 1805 erweitert, genannt „Wiege der Freiheit“, da hier viele Treffen stattfanden, in denen für damalige Verhältnisse revolutionäres Gedankengut geäußert wurde, das später aber doch umgesetzt werden sollte, beispielsweise auch im Hinblick auf die Emanzipation der Frauen. Gegenüber lag der Quincy Market, eine lange Markthalle mit Lokalen jeglicher Art, die leckeres Essen anboten und wo um die Mittagszeit eine Menge los war. Wir hatten allerdings nur wenig Hunger, und der ließ sich rasch mit einem Hotdog stillen, obwohl viele der angebotenen Speisen wirklich verlockend aussahen. Draußen auf dem Platz davor war bei dem tollen Wetter viel los, neben Passanten und Leuten in ihrer Mittagspause auch einige Musiker, Artisten u.Ä., die die Blicke auf sich zogen, eine lebhafte und fröhliche Stimmung. Die änderte sich rasch beim Holocaust-Denkmal direkt nebenan, bestehend aus 6 Glastürmen, die an 6 KZ’s erinnern sollen, eigentlich ganz gut gemacht und nachdenklich stimmend, allerdings fand ich die in den Türmen aufsteigenden Dämpfe (Vergasung symbolisierend) doch etwas platt, das hätte es nicht gebraucht für die mahnende und (auch heute leider immer noch) notwendige Wirkung dieses Denkmals. Es schloss sich das Northend an, das Viertel der irischen und zuletzt italienischen Zuwanderer mit vielen Kneipen und Restaurants, urig und gemütlich. Sehenswert war hier das Haus des Freiheitskämpfers Paul Revere, wo aber auch wieder viel Touristenrummel war (wie überall in der Stadt) und wo wir, wegen des schönen Wetters und auch der immer weiter fortrinnenden Zeit, auf eine Innenbesichtigung verzichteten. Vorbei an der Old North Church erreichten wir die Waterfront des Boston Inner Harbour, überquerten diesen auf einer Brücke und erreichten schließlich Charlestown am anderen Ufer, wo die USS Constitution, das älteste Kriegsschiff der Welt aus dem Jahre 1797 vor Anker liegt, ein schöner Dreimaster, auf dessen Besichtigung wir aber wieder aus Zeitgründen verzichten mussten, denn wir wollten mit der nächsten Fähre wieder zurück nach Downtown fahren und hätten ansonsten neben der Zeit, die die Besichtigung selbst dauert, zusätzlich erneut wieder eine flughafenmäßige Sicherheitskontrolle über uns ergehen lassen müssen. So aber nahmen wir die Fähre über den Inneren Hafen und kamen nach nur 10 Minuten wieder im Zentrum von Boston an. Wir besuchten noch kurz die große Halle in der 1. Etage der Faneuil Hall, die wir zuvor übersehen hatten und die sich aber wirklich lohnte, ehe wir mit der U-Bahn nach Cambridge in den Norden der Stadt fuhren.

Hier bummelten wir bei Spätnachmittagssonne über den Campus der Harvard-Universität, ein typischer US-Uni-Campus, wie man ihn sich vorstellt, umzäunt, mit Lehr- und Wohngebäuden, vielen Grünflächen mit Bäumen dazwischen und jeder Menge Menschen, eine schöne und entspannte, aber auch inspirierende Atmosphäre. Danach machten wir noch einen Abstecher über den Stadtplatz Cambridge Common zum Haus des Dichters H.W. Longfellow, einem überraschend großzügigen Haus mit schönem Garten, dessen Inneres aber leider schon geschlossen war. Zurück am Harvard Square kauften wir im Coop-Laden der Uni noch Souvenirs, ehe wir nebenan bei einem preiswerten Mexikaner leckere Tortillas aßen und mit der U-Bahn anschließend wieder in unsere Unterkunft fuhren, wo wir gegen 20 Uhr ankamen. Nach Duschen, Tagebuchschreiben und Packen machten wir das Licht aus, morgen geht’s weiter gen Norden!

 

Gefahren: 0 mi (0 km)

Unterkunft: Privat-Appartement im Bostoner Vorort Jamaica Plains, gebucht über airbnb (90 $ / N. exkl. FS)