Mi., 03.04.19: Oudtshoorn, Swartberg Pass

Abschied von der Garden Route und (vorübergehend) von der Küste. Ein zweites Mal genossen wir das leckere und sehr abwechslungsreiche Frühstück in unserer Unterkunft, heute gab es warme, gefüllte Champignons und eine Art Quiche. Danach fuhren wir los, über die sehr große und gepflegt wirkende Stadt George mit vielen Einkaufsmöglichkeiten ging es in die Berge, über den Outeniqua-Pass Richtung Oudtshoorn. Vor wenigen Wochen noch hatte es hier gebrannt, die Spuren sah man deutlich, dazwischen spross aber schon wieder jede Menge frisches Grün. Auf der Weiterfahrt passierten wir das einzige Hopfenanbaugebiet Südafrikas und um kurz nach 11 Uhr trafen wir in Oudtshoorn auf der Safari-Straußenfarm ein. Wir hatten hin und her überlegt, ob wir uns in der „Straußenhauptstadt“ der Welt eine Straußenfarm anschauen sollten, da das teilweise sehr kontrovers diskutiert wird, hatten uns dann allerdings doch dazu entschlossen, jedoch darauf geachtet, dass es keine ist, auf der Straußenreiten angeboten wird. Tatsächlich scheint dieses nur noch auf wenigen Farmen gemacht zu werden, die meisten haben diese Form der Tierquälerei mittlerweile eingestellt. Leider hatte eine Führung über die Farm bei unserer Ankunft gerade begonnen und wir mussten bis 12 Uhr bis zur nächsten Führung warten. Auf der Tour sah man dann auch nicht die eigentlichen Zuchttiere, sondern fuhr erst 20 Minuten auf dem Anhänger eines Treckers durch verschiedene „Show-Gehege“ und lief später noch an einigen Tieren vorbei, erfuhr dabei aber doch einiges Interessantes über diese größten Vögel der Welt. Negativ fand ich, dass manche Tiere unter den Flügeln bzw. am Körper doch etwas gerupft aussahen, möglicherweise ein Zeichen von Hospitalismus, dennoch schienen die Gehege hier einigermaßen groß, die Tiere ansonsten weitgehend gesund und auch neugierig. Aggressivere Tiere hatten, ähnlich wie ein Bulle, einen Ring durch die Nase, damit sie anderen nicht die Federn herauspickten. Wie wir erfuhren, werden Strauße vor allem zur Produktion von Leder gehalten, der Wichtigkeit nach folgten dann Fleisch, Eier und schließlich Federn. Die Eier können ein Gewicht von über 200 Kilo tragen, deshalb konnte man sich während der Tour auch einmal auf (unbefruchtete) Eier draufstellen, um das zu testen. außerdem konnte man die Strauße mit Luzerne-Pellets füttern, wobei die ganz schön wild zuhacken konnten, meine Hand hat das noch eine ganze Zeit danach gespürt! Die Tour war letztlich nichts Aufregendes, bot aber doch einen ganz interessanten Einblick in einen hier zumindest in der Vergangenheit doch recht einträglichen Wirtschaftszweig: um die Jahrhundertwende, als Straußenfedern als Mode-Accessoires in Europa hoch im Kurs standen, haben es einige „Straußenbarone“ in Oudtshoorn zu ansehnlichem Reichtum geschafft.

Für den Rest des Tages hatten dann wir geplant, über den berühmten Swartberg-Pass zu fahren. Bis kurz hinter den Cango-Höhlen war das zunächst problemlos, die Straße gut asphaltiert. In einem familienbetriebenen Lokal ("Kobus Se Gat") unmittelbar vor Beginn des Passes aßen wir zu Mittag noch eine Kleinigkeit, nämlich am Grill geröstetes Brot („Roosterkoek“), so eine Art Sandwich mit verschiedenen Belägen, lecker und recht günstig. Dann ging es auf den ab hier bis zum nördlichen Ende nicht mehr asphaltierten Pass, der angeblich auch problemlos mit jedem PKW befahrbar sein soll. Ich muss allerdings sagen, dass speziell die Südseite doch von extrem schlechter Qualität war, teilweise konnte man nur im Schritttempo fahren, die bisher schlechteste Schotterstraße, die wir in diesem Urlaub unter den Rädern hatten. Die Auffahrt war dennoch ganz hübsch, nach den vorherigen Schilderungen war ich aber erstmal ein bisschen enttäuscht, wirklich sensationell fand ich das jetzt nicht. Unterwegs suchten und fanden wir noch drei Geocaches, außerdem sahen wir einige Klippschliefer und zwei Klippspringer hier in ihrem typischen Lebensraum. Vom höchsten Punkt an, 1585 m über dem Meeresspiegel, ging es anschließend wieder bergab. Überraschenderweise war die Straße jetzt von besserer Qualität und die Landschaft wurde um einiges spektakulärer, man fuhr in z.T. atemberaubenden Serpentinen hinab in einen Canyon, der mich stark an die Wadis im Oman erinnerte. Nachdem ich bei der Auffahrt erst noch skeptisch war, ob sich die Tour wirklich gelohnt hat, hätte ich die Frage bei der Abfahrt eindeutig mit ja beantworten können. Leider war die Zeit mittlerweile fortgeschritten, tief im Tal herrschte schon Schatten, die Spitzen des Canyons waren aber noch toll beleuchtet. Gegen 16:30 Uhr schließlich hatten wir diese dann doch noch überraschend spannende Tour hinter uns gebracht, es folgten jetzt noch etwas über 100 km Rückfahrt auf Asphalt bis Oudtshoorn, die landschaftlich ebenfalls durchaus ansprechend war, leider hatten wir keine Zeit mehr, beispielsweise am Meiringspoort Wasserfall zu halten, was sich durchaus auch lohnen sollte. Auf alle Fälle war die Strecke deutlich abwechslungsreicher als die Fahrt durch die Karoo auf der N1 vor einigen Tagen. Kurz vor Oudtshorn verzögerte sich die Weiterfahrt leider noch einmal etwas wegen mehrerer längerer Baustellen, gegen 18:15 Uhr waren wir dann aber in unserer Unterkunft, die interessanterweise In einer „gated community“ lag, wir uns also erst per Klingel am Tor anmelden mussten. Zum Abendessen gingen wir zu Fuß in das nahegelegene Restaurant „Nostalgie“, das bei Tripadvisor ganz oben stand und uns auch von der Wirtin empfohlen wurde. Der Service war nett, wenn auch etwas unorganisiert, das Essen aber wirklich gut, vor allem auch mein Bobotie und mein Malvapudding, das Bobotie hier übertraf das vom Vortag, das mein Freund im Flava Restaurant in Wilderness hatte, deutlich. Satt und müde ging es zurück in die Unterkunft und dort auch bald ins Bett.

Do., 04.04.19: Route 62, Potteberg Guest Farm

Der heutige Donnerstag wurde ein inaktiver Tag, das lag allerdings vor allem auch am Wetter. Wir standen früh auf, frühstückten gegen 8 Uhr, das Frühstück war ganz okay, wenn auch ohne warme Speisen, aber für den Preis der Unterkunft noch akzeptabel, schließlich war es die preiswerteste Nacht, die wir in Südafrika verbrachten. Eine Stunde später brachen wir dann auf und fuhren zunächst noch einmal zum Einkaufen in einen Pick’n’Pay-Markt, da die letzten zwei Nächte in einem Ferienhaus anstanden und wir uns z.T. selbst versorgen mussten, da kaum Restaurants in der Nähe waren. Außerdem zogen wir noch einmal Geld bei der Standard Bank, denn die nächste Unterkunft musste in bar bezahlt werden. Danach ging es dann los auf die Route 62, die zu den landschaftlich schönsten Straßen Südafrikas zählen sollte. Der erste Teil war noch recht flach und wüstenhaft, das Tal weit. Hinter Calitzdorp wurde die Straße dann allerdings zunehmend kurvig, die Berge rückten näher an die Straße heran, so hatte ich mir das nicht vorgestellt, dadurch war die Fahrt durchaus abwechslungsreich. Viele Stopps legten wir nicht ein, einen etwas längeren nur auf einen Cappuccino bei Ronnie‘s Sex Shop, einem vor allem bei Touristen wegen des Namens beliebten Lokal mitten im Nirgendwo. Der Name soll angeblich auch nur daher rühren, dass Freunde des Besitzers ihm zu mehr Umsatz verhelfen wollten und so über Nacht den Zusatz „Sex“ auf seine Werbeaufschrift pinselten. Scheint ja zu wirken… Kaum saßen wir wieder im Auto, fing es leider an zu regnen, und das sollte auch die nächsten Stunden so bleiben. Über Barrydale, wo wir noch einmal tankten, ging es weiter Richtung Süden, nach einem kurzen Stück auf der N2 mussten wir dann allerdings wieder auf Schotterstraßen abbiegen, und die sollten uns nicht nur für die letzten 50 km des heutigen Tages, sondern auch noch fast durchgängig bis übermorgen Mittag begleiten, vorher sollten wir nur ganz kurze, asphaltierte Stücke Straßenbelag sehen. Zum Glück waren die Wege hier aber einigermaßen gut befahrbar, aufgrund des Regens allerdings leider heute recht matschig, das Auto sah hinterher verboten dreckig aus. Bei Malgas nutzten wir die einzige, handbetriebene Fähre Südafrikas zur Überquerung des Flusses, die 2 Männer, die die Plattform nach dem Prinzip der Gierfähre über den Fluss zogen, hatten trotzdem ganz schön zu tun. Gegen 14:30 Uhr kamen wir schließlich in unserer Unterkunft an, der Potteberg Guest Farm. Zwar war niemand zuhause, es hing aber ein Zettel an der Tür mit allen Anweisungen, also bezogen wir erstmal unser Appartement, zogen uns kurz um und fuhren dann zum nahegelegenen Nebeneingang des De Hoop Naturreservats, wo wir eine 6 km Wanderung auf dem Klippspringer Trail unternehmen wollten, da der Regen mittlerweile aufgehört hatte. Leider wurde daraus nichts, denn das Gate schloss bereits um 16 Uhr (!), bei unserer Ankunft um kurz nach 15 Uhr hätten wir die Runde nicht mal mehr zur Hälfte geschafft - sehr touristenunfreundliche Öffnungszeiten! Etwas enttäuscht und verärgert darüber fuhren wir zurück auf unseren Bauernhof und spazierten dort noch ein wenig hinter dem Haus in die Felder zu einem Vogelbeobachtungsstand (ohne großen Erfolg), außerdem zu einem sog. „Geier-Restaurant“, einem Ort, an dem die Bauern offensichtlich ihre Tierkadaver ablegten, damit die Geier des nahegelegenen Gebirges sich dort bedienen können. Der Geruch stieg einem entsprechend auch schon hunderte Meter vorher in die Nase, Geier sahen wir leider keine, dafür jede Menge Ibisse und ein paar Raben. Nach etwa anderthalb Stunden waren wir wieder zurück, machten es uns gemütlich und warteten darauf, dass unsere Wirtin sich zeigte, die uns gegen 19 Uhr dann auch das per E-Mail im Vorfeld georderte Abendessen brachte. Es gab wiederum Bobotie wie schon an den 2 Tagen zuvor (aber das konnte sie ja nicht wissen), diesmal dafür hausgemacht und sehr lecker, mit Erbsen, Reis mit Korinthen, Kürbisbrei und eingelegten, roten Beeten. Wir taten uns daran gütlich, und fielen dann gegen 21 Uhr satt und k.o. auch bald ins Bett.

Fr., 05.04.19: De Hoop Nature Reserve

Leider begann der heutige Tag so, wie der gestrige endete, der Himmel war durchweg bedeckt, es nieselte sogar ein wenig, keine schönen Aussichten für einen Besuch am Strand des De Hoop Naturreservates, den wir geplant hatten. Der Wetterbericht hatte zumindest keinen Regen angekündigt... Wir frühstücken deshalb erst einmal, und nachdem wir gestern den Klippspringer Trail nicht laufen konnten, hatte unsere Wirtin telefonisch versucht, eine Genehmigung für uns zu erlangen, im Naturreservat zumindest einen Geieraussichtspunkt zu besuchen, was normalerweise nur im Rahmen einer geführten Tour möglich ist. Nachdem das geklappt hatte, fuhren wir gegen 8:30 Uhr los, zuerst also wieder zum selben Nebeneingang, dem Potteberg Gate der Naturreservats, wo man uns mit dem handgeschriebenen Zettel unserer Wirtin nach skeptischem Blick auch einließ und wo wir dann eine zum Schluss extrem steinige Schotterpiste bis zu einem Parkplatz fuhren, von wo aus man noch etwa einen Kilometer bis zum Aussichtspunkt durch herrlichen Fynbos laufen musste. Von dem Aussichtspunkt aus war die Brutkolonie einer wirklich großen Anzahl der sehr seltenen Kap-Geier zu sehen, allerdings war die Entfernung doch recht groß, ein gutes Fernglas wäre hier mehr als sinnvoll gewesen, mein Teleobjektiv hat das nur z.T. ersetzt. Danach ging es zum Auto zurück, der Himmel blieb leider weiterhin bedeckt, zwischendurch hatte es einige Male kurz genieselt…

Wir fuhren weiter zum eigentlichen Haupteingang des De Hoop Naturreservats, wo wir erst einmal auf den unfreundlichsten Rangers des ganzen Urlaubs trafen, und nach Erledigung der Registrierungsformalitäten ging es weiter zum Parkplatz Kopie Alleen, um eine Wanderung die Küste entlang zu unternehmen. Die Straßen zum und im Reservat waren übrigens, wie schon gesagt, auch wieder fast durchweg Schotterpisten, die Hauptstraße in akzeptablem Zustand, die Zufahrtsstraße zum Reservat eher weniger. Nur einige wenige Meter hinter dem Gate und die letzten Kilometer bis zum Parkplatz waren allerdings asphaltiert und daher reifenschonender. Glücklicherweise - womit ich eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatte - besserte sich das Wetter zusehends, die Sonne kann immer mehr hervor, gegen Ende des Nachmittags sollte an der Küste strahlend blauer Himmel herrschen, während im Hinterland weiterhin Wolken verharrten. Was hatten wir doch noch für ein Glück! Wir liefen vom Parkplatz aus auf einem Pfad immer die Küste entlang in östlicher Richtung, hier folgte eine Bucht auf die andere, fast jede schöner als die vorherige, das Wasser war türkis, der Sand strahlend weiß, der Himmel blau, einfach ein Urlaubstraum! In einer Bucht legten wir eine Picknickpause ein, nach etwa 3 Kilometern kehrten wir wieder um, suchten und fanden noch einen Geocache und machten zum Abschluss, kurz vor Erreichen des Parkplatzes, noch einen Abstecher nach Westen, wo es keine kleineren Buchten ergab, sondern ein riesiges, weitläufiges Dünengebiet, das auch sehr reizvoll war. Das Einzige, was hier nicht so schön war, waren die Fußspuren der Menschen, die fast überall kreuz und quer durch die Dünen verliefen und so die Optik doch etwas störten. Ein kleines bisschen enttäuscht war ich auch von den überall angepriesenen Tidenpools, in denen sich bei weitem nicht so viele kleine Tiere fanden wie ich das erwartet hatte, allerdings waren wir auch recht spät nach der Ebbe da, fast schon vor der höchsten Flut, sodass vermutlich auch nicht mehr viele Pools zu finden waren. Da die Zeit inzwischen schon weiter fortgeschritten war und wir keinen Stress wollten, entschieden wir uns dazu, auf den geplanten, zweiten Spaziergang im Reservat am Binnensee, dem sogenannten Vlei, zu verzichten und fuhren stattdessen direkt nach Hause. Auch im Hinblick auf Tiersichtungen war der Tag im Übrigen durchaus noch erfolgreich, neben den Geiern konnten wir ein paar Buntböcke ablichten, einen großen Trupp Paradieskraniche und sogar zwei Sekretäre. Raubkatzen gab es hier keine, ich persönlich bin aber auch mit Vögeln und Antilopen durchaus zufrieden zu stellen.